Von:
Hroswitha Franz

e-stottern.de

Für einen stotternden Menschen bedeutet Sprechen häufig eine Überwindung, wenn nicht sogar eine Qual. Um flüssig zu sprechen, unternimmt ein Stotterer außergewöhnliche Anstrengungen. Er zwinkert mit den Augen oder stampft mit den Füßen und versucht, durch diese Mitbewegungen zu einem flüssigen Sprechen zu kommen. Stottern hat unterschiedliche Ursachen. Häufig tritt es zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr auf. Nicht immer lassen sich die Gründe herausfinden.

Ich erlebte ein dreijähriges Mädchen, das starke Stottersymptome zeigte. Ihr Vater rief mich an. Und der Großvater berichtete, dass sein Sohn viel zu ernst sei, beruflich zu stark eingespannt. Für die „Albernheiten“ seiner Tochter habe er keinen Nerv. Doch ich konnte die Familie beruhigen, empfahl, mit dem Kind zu singen, Fingerspiele zu lernen, Bewegungsspiele mit Reimen und Versen zu spielen. Häufig lachen sollten sie mit dem kleinen Mädchen und eine entspannte Atmosphäre schaffen.

Das Mädchen besucht inzwischen einen Kindergarten, spricht ohne Wort- und Lautwiederholungen. Das starke Augenzwinkern hat sich gegeben, die sprachliche Entwicklung verläuft altersgerecht. Nicht immer wird das Entwicklungsstottern so schnell überwunden. Besonders Jungen, die introvertiert und nicht so robust sind, nehmen ihre Laut- und Wortwiederholungen deutlich wahr.

Aus diesem Entwicklungsstottern kann leicht eine Redeflussstörung entstehen. Besonders wenn besorgte Bezugspersonen oder gedankenlose Mitmenschen das Kind ermahnen: „Sprich langsam!“ „Sag das ohne Stottern noch einmal!“ „Stottere nicht so!“ Diese Ratschläge bewirken beim Kind vielleicht erst ein Erkennen seines Stotterns. Das sind somit Sätze, die genau das Gegenteil bewirken.

Sollte sich das Entwicklungsstottern bis zum Ende des vierten Lebensjahres nicht geben, dann ist es ratsam, einen Kinder- oder Hals-Nasen-Ohrenarzt aufzusuchen, der eine Sprachbehandlung verordnet. Wichtig für eine erfolgreiche Therapie ist das positive Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Therapeut. Bei kleineren Kindern wird sicherlich auch eine intensive Elternberatung stattfinden. Mütter und Väter sollten in die Behandlung mit einbezogen werden. Ältere Kinder und Erwachsene müssen wegen ihrer Redeflussstörung nicht verzagen; auch ihnen kann eine geeignete Therapie helfen.